Nicht alle Motorradhersteller geben E10 schon frei
Freitag, 22 Februar 2008
Rund 3,6 Millionen Krafträder sind derzeit in Deutschland zugelassen.
Noch mehr als einige Autofirmen, sind offensichtlich viele
Motorradhersteller von der Diskussion um die E10-Verträglichkeit
überfahren worden. Andere hingegen sehen den Plänen, ab 2009 den
Ethanolanteil im Kraftstoff von fünf auf zehn Prozent zu erhöhen,
gelassen entgegen.
„Wir stecken noch tief in der Recherche“, sagt Christoph Gatzweiler,
Ressortleiter Technik beim Industrieverband Motorrad (IVM). Das
Problem: Es gibt weit mehr verschiedene Motorradmodelle als
Pkw-Baureihen. „Das gestaltet sich daher etwas schwierig und wird noch
ein Weilchen dauern“, macht Gatzweiler deutlich. Er geht derzeit aber
davon aus, dass eine Reihe Motorradfahrer auf Super Plus werden
umsteigen müssen. Vor allem der Altbestand setzt sich zu einem Großteil
aus Maschinen zusammen, die eigentlich mit Normalbenzin auskommen.
Super Plus, das künftig als einziger Kraftstoff weiterhin nur fünf
Prozent Bioethanol enthalten soll, ist bis auf wenige Ausnahmen bislang
vor allem nur bei sehr hoch verdichteten Motorrädern vorgeschrieben.
Auch
BMW will noch nichts definitiv sagen. „Wir prüfen das gerade und
brauchen noch ein bisschen“, betont Sprecher Jürgen Stoffregen. Bei
Ducati Deutschland ist ebenfalls noch keine Stellungnahme zu bekommen.
Der italienische Hersteller ist vom deutschen Alleingang überrascht
worden, sagt ein Techniker. Es fehlten Langzeitstudien. Ducati-Fahrer,
die auf Nummer sicher gehen wollen, müssten Super Plus tanken. So
empfehle die Bedienungsanleitung ohnehin grundsätzlich Benzin mit einer
Oktanzahl von 95 (Super) bis 98 Oktan (Super Plus).
Peugeot
Motorcycles muss im Augenblick passen, und Kawasaki prüft ebenfalls
noch. Bei KTM Deutschland erwartet man in den nächsten Tagen Auskunft
vom österreichischen Hersteller. Bei Aprilia gibt es wegen der Flut von
verschiedenen Motoren - teils eigene Aggregate, teils Fremdprodukte –
derzeit keine Angaben. Auch Yamaha und MZ bleiben die Antwort im Moment
schuldig. Bei MZ hofft man ohnehin darauf, dass die Pläne gekippt
werden, weil wohl doch mehr Autos von der Beimischung betroffen seien
als angenommen.
Bei Triumph ist die Sache hingegen klar. Alle
seit 1990 produzierten Modelle sind uneingeschränkt E10-tauglich,
versichert Pressesprecher Uli Bonsels. Nicht anders die Antwort von
Aaaron Lang, Pressesprecher bei Honda: Seit 1990 finde sich in jedem
Fahrerhandbuch der Hinweis auf die Kraftstoffverträglichkeit. So können
alle Honda-Motorräder seit 1990, die die Euro-3-Norm erfüllen, eine
Beimischung von zehn Prozent Biosprit vertragen. Beim Tanken sei aber
darauf zu achten, dass möglichst nichts verschüttet wird, da der
Biokraftstoff Lackschäden verursachen kann. Auch könnten gummihaltige
Teile am Motorrad durch den Ethanolbetrieb schneller altern. Bei
Maschinen nach 1990, die nur Euro 2 erfüllen, gibt es nach Angaben von
Honda einige wenige Ausnahmen von der E10-Freigabe. Der entsprechende
Hinweis sei in der Bedienungsanleitung vermerkt.
Die meisten
Harley-Davidson-Besitzer müssen sich ebenfalls keine Sorgen machen.
Alle Serienmodelle ab 1980 vertragen zehn Prozent Bioethanol im
Kraftstoff. Besitzer älterer Maschinen sollten allerdings
sicherheitshalber ab 2009 auf Super Plus umsteigen. Gleiches gilt für
sämtliche Buell-Motorräder sowie alle leistungsgesteigerten
Harley-Davidson-Motoren. (ar/jri)